5 Fragen an Flavia Nebauer zum Thema „Lern- und Wissensmanagement“
Die Fortbildung zum/zur Geprüften Berufsspezialist/in für erneuerbare Energien SHK beinhaltet das Modul „Lern- und Wissensmanagement“. Warum ist es sinnvoll, diesem Thema ein eigenes Modul zu widmen?
Das Tätigkeitsfeld des Berufsspezialisten ist komplex, stark im Wandel und erfordert kontinuierliches Lernen. In vielen Fortbildungen wird Selbstlernkompetenz vorausgesetzt, aber nicht systematisch gefördert. Genau hier setzt das Modul an: Die Teilnehmenden sollen die Bedeutung und den Nutzen von selbstgesteuertem Lernen und der nachhaltigen Wissenssicherung erkennen. Insgesamt kann man sagen: Das Modul stärkt die Basis für lebenslanges und informelles Lernen.
Welche zentralen Inhalte werden in dem Modul „Lern- und Wissensmanagement“ vermittelt?
Im Bereich Lernmanagement beschäftigen sich die Teilnehmenden intensiv mit Lernstrategien und ihrem eigenen Lernverhalten. Sie reflektieren, wie sie bisher lernen und probieren gezielt neue Lernstrategien und -techniken aus. Unterstützt wird das durch praxisnahe Web Based Trainings (WBTs) mit Beispielen, Quiz Elementen und konkreten Anwendungsimpulsen. In einem WBT geht es zum Beispiel darum, wie man sein Lernen organisiert und plant, in einem anderen, wie man zu einem tieferen Verständnis der Lerninhalte gelangt, z. B. durch eigene Lernzettel und Visualisierungen oder auch durch die Diskussion mit Lernpartnern.
Der zweite Schwerpunkt ist das Wissensmanagement. Hier geht es darum, Wissen nachhaltig zu sichern, zu dokumentieren und im Team weiterzugeben. Die Teilnehmenden arbeiten mit Methoden, die sie direkt in ihrem Betrieb nutzen können.
Theorie wird hier bewusst reduziert, zugunsten von Handlungsorientierung.
Mit einem eigenen Modul geben wir dem Thema den Stellenwert, den es verdient. Gleichzeitig vermeiden wir, bezogen auf die Lerninhalte der Fachmodule, „Lernen auf Vorrat“ und unterstützen einen besseren Transfer in den Arbeitsalltag.
Welche Rolle spielt dieses überfachliche Modul im Zusammenspiel mit den fachlichen Modulen?
Das Modul steht nicht isoliert für sich. Vielmehr werden die Lernstrategien direkt in den Fachmodulen ausprobiert. Die Teilnehmenden sollen für sich geeignete Lernstrategien und -techniken finden und im besten Fall bis zum Ende der Fortbildung auch eine gewisse Routine entwickeln. Sie sollen die Erfahrung machen können, dass sie die Anwendung von Lernstrategien beim Lernen weiterbringt, weil sie dadurch effektiver und effizienter lernen. Und es geht immer auch darum, wie der Transfer des Gelernten in den Arbeitsalltag gut funktionieren kann.
Wie werden Dozierende dabei unterstützt, das Modul „Lern- und Wissensmanagement“ umzusetzen?
Damit diese Verzahnung zwischen Fachmodulen und dem Modul „Lern- und Wissensmanagement“ gelingt, war es uns bei der Entwicklung des Moduls wichtig, dass es von den Fachdozierenden selbst durchgeführt werden kann. Wir sind überzeugt, dass sich das positiv auf die Lernenden auswirken wird, wenn sie sehen, dass die Fachdozierenden das Thema wichtig finden und dahinterstehen.
Die Hürden für die Umsetzung des Moduls möchten wir möglichst niedrig halten, deshalb unterstützen wir die Dozierenden auf vielfältige Weise. Wir stellen auf der Lernplattform eCampus Handwerk einen vollständig vorbereiteten Kurs bereit. Ergänzend gibt es Zusatzmaterialien, zum Beispiel Vorschläge für Reflexionsfragen und kompakte Zusammenfassungen. Ein Dozierendenhandbuch enthält einen „Fahrplan“ und methodische Hinweise für die Durchführung. Die eben erwähnten WBTs eignen sich auch gut als Selbstlernkurs für die Dozierenden. Bei Bedarf bieten wir ihnen aber auch kurze Schulungen an.
Lässt sich das Modul „Lern- und Wissensmanagement“ auch in anderen Kontexten nutzen?
Bei der Entwicklung der Lerninhalte und -materialien hatten wir eine bestimmte Zielgruppe vor Augen, nämlich Personen, die berufsbegleitend eine umfangreichere Fortbildung absolvieren. Und wir haben Elemente von Storytelling eingebaut, damit sich Menschen aus der SHK-Branche angesprochen fühlen.
Aber prinzipiell sollte man das Modul oder Teile davon sehr gut in anderen Fortbildungen, Teilqualifizierungen oder auch in der betrieblichen Personalentwicklung einsetzen können, unabhängig davon, um welche Branche es geht. Das sehen wir auch als unseren Projektauftrag: Wir wollen Konzepte und Materialien entwickeln, die Innovations- und Transferpotential haben.


